Er ist und bleibt auch in den nächsten Jahren die „coolste Sau“ des Bunten Abends beim SV Erbach: Als Menschwerdung von Miss Piggy aus der Muppet Show brillierte Sitzungspräsident Steffen Maurer einmal mehr im vierfarbbunten Rampenlicht und riss die Massen, sprich: die über 700 Zuschauer in der Erbacher Mehrzweckhalle mit. Allein wie er den mit dem Zugkomitee angereisten Schirmherrn der Straßenfastnacht, Christian den Schwarzen, verblüffte, indem er ihm ein Büttenzwiegespräch auf Hepprumer Platt – für den Landrat rücksichtsvollerweise „leicht angeplattet“ – auf‘s Auge drückte, war sehenswert.


„Die Puppen tanzen mit Helau in Erbach bei der Muppet-Schau“ war das Motto des Abends. Und da war es natürlich kein Wunder, dass die Protagonisten der Muppets überall waren. Rechts von der Bühne ein Balkon mit den Dauernörglern Waldorf und Statler. Im Elferrat neben der alles überstrahlenden Miss Piggy Kermit, Fozzy Bär und Kollegen. Und auch im Saal gaben sich Krümelmonster, Oscar und Co. die Hand. Es hatte mehr grasgrüne Frösche im Saal als in jedem Teich im Umkreis.

Nach dem Einspielfilm, in dem sich Michael Endres mit dem Unimog auf die Suche nach dem verschwundenen Elferrat machte, ging es los mit den süßen Mädels des Kinderballets. Sie begeisterten als Kermits mit grünen Tüllröckchen auf der Bühne. Protokoller Michael Endres nahm die Weltpolitik auf‘s Korn: „Die gute Laune ist so gut wie verflogen, weil braune Wolken sind aufgezogen“, blickte er zurück auf das Wahlergebnis. Und in den USA regiere „ein Kindergarten-Kind im Rentenalter“.

Der Bollywood-Ausflug des Jugendballetts war ein wahrer Augenschmaus. In traumhaften, hellblauen Gewändern verzauberten die jungen Damen mit einer mitreißenden Choreografie. Und bei der Zugabe nützte kein Sträuben: Steffen Maurer musste mittanzen, und da blieb kein Auge trocken, wie er elfengleich über die Bühne schwebte, dass sein rosa Ringelschwänzchen wackelte.

Neben den Balletts war der Auftritt der Erbacher „Blue Man Group“ einer der Höhepunkte des Abends: Jannik Stadler, Fabian Jordan und Dominik Lies müssen Monate an Arbeit in diesen fulminanten Auftritt gesteckt haben. Auf drei Ölfass-Trommeln schlugen sie einen Beat, der den Saal zum Kochen brachte. Doch es war nicht der Beat allein: Flüssigkeiten auf den von Innen beleuchteten Drums sorgten für fantastische Lichteffekte. Bei jedem Trommelschlag spritzte das Wasser in bunten Fontänen und Tropfen nach oben. Atemberaubend. Das nächste Highlight setzte das Gardeballett mit einem „Best of“: Der Gardetanz zu Songs aus „Fluch der Karibik“ bis hin zu einem Abba-Medley riss das Publikum von den Sitzen.

Den „Prosecco-Schneggen“, die nach der Pause für Furore sorgten, merkt man nicht an, dass sie die 20 schon leicht überschritten haben. Als Miss Piggy und Barbie und Ken legten sie eine kesse Sohle aufs Parkett. „Die Drei von der Trinkhalle“ (Yannick Lulay, Fabian Jordan, Daniel Kreicha mit Anna Jordan) sorgten mit ihrem – selten zitierfähigen – Beitrag für gezielte Angriffe auf das Zwerchfell. Kaum hatte man wieder Luft geschnappt, raubte es einem wieder den Atem: Ganz großes Kino bot das Showballett. Es brachte den Saal mit Szenen aus dem großen Gatsby zum Toben. Ein Hingucker waren die roten Charleston-Kostüme. Die Damen hatten diesmal männliche Unterstützung bekommen, die Herren im 20er Jahre Outfit standen ihnen in nichts nach.

Und schon war es Zeit für den Schlussakkord: Das Männerballett war diesmal in Nonnen-Kostüme geschlüpft, begann mit züchtigem Gesang – und bot dann einen groovigen Dance-Mix. Vorbei die Zeiten bierbäuchiger Protagonisten, die sich selbst auf die Schippe nahmen. Das waren jede Menge Schrittfolgen und Moves, die die Jungs so gekonnt umsetzten. Und es kam, wie es alle hatten kommen sehen: Zum Schluss flogen die Nonnengewänder in die Ecke und der Abend endete in bunten Bodys und Leggins.

Quelle: Echo Online 05.02.2018