Das Motto? Wie war noch gleich das Motto der diesjährigen Sitzung? Steffen Maurer muss kurz nachschauen, dann findet er den Zettel. „Ach ja: Die Puppen tanzen mit Helau, in Erbach bei der Muppet-Schau.“ Eigentlich untypisch, dass der Sitzungspräsident des SV Erbach etwas nicht weiß – denn sonst geht nichts an ihm vorbei.

„Ich bin seit jeher mit dem SV Erbach verwurzelt“, erzählt der 38-Jährige im Foyer der Mehrzweckhalle des Heppenheimer Stadtteils. Drinnen spielen Jugendliche Handball, gleich steht noch eine Besprechung an. In diesen Tagen dreht sich aber das meiste um die Fastnacht. Die Vorbereitungen auf den Bunten Abend laufen beim 600 Mitglieder starken Verein auf Hochtouren. 750 Gäste werden erwartet. Da gibt es einiges zu organisieren. Und mittendrin: Steffen Maurer.



Schon als kleiner Junge kam Maurer zum SV Erbach, spielte dort Handball und machte sich als Rückraumbomber einen Namen. Die Erbacher Handballer merkten schnell, dass sie auch eine komische Seite haben und etablierten mit ihrem Bunten Abend in der Mehrzweckhalle eine der größten Sitzungen im Kreis Bergstraße. „Wir stemmen alles selbst“, ist der Sitzungspräsident stolz. Die Auftritte. Die Bewirtung. Die Kulissen. „Bei uns ist jeder für den anderen da“, sagt der 38-Jährige. „Wenn jemand zum Training aus Bensheim abgeholt werden muss oder einen Wagenheber braucht, dann wird das gemacht.“ Das sei anders als bei anderen Vereinen, ist der Erbacher sicher, der nun im fünften Jahr Sitzungspräsident ist.

Dieses Amt war nach dem Ausscheiden von Frank Lies vakant. „Es hat sich niemand gefunden“, erinnert sich Steffen Maurer. Zwei Jahre habe sich der SV die Sitzungspräsidenten Hans-Peter Fischer und Nino Piazza von anderen Vereinen „ausgeliehen“. Dann machte Maurer Nägel mit Köpfen. Und wurde Präsident. „Ich habe zwei Jahre hospitiert und mir von drei Sitzungspräsidenten das Beste abgeschaut“, sagt der Handballer, der auch mit 38 Jahren noch ab und zu bei den Senioren trainiert und die Jungen alt aussehen lässt. Ganz lassen kann und will er den Sport nicht. Seinen Zyklus beschreibt er so: „Training, Verletzung, acht Wochen Pause, dann wieder Training.“

Das Amt des Sitzungspräsidenten ist mitunter kein leichtes. Auch deshalb kündigte er beim letzten Bunten Abend seinen Abschied an – was das Publikum aber vehement ablehnte und Maurer schwach werden ließ. „Es gibt so viele Dinge, die man beachten muss“, erzählt er. „Man glaubt gar nicht, wie viel hinter so einer fünfstündigen Show steckt.“ Aber er will sich nicht beklagen: „Ich wusste, was auf mich zukommt.“ Und von Jahr zu Jahr lerne er dazu. Zum Beispiel, dass er, der gerne alles weiß und alles selbst machen will, Aufgaben abgeben muss. Das fällt ihm nicht leicht, „aber ich weiß, was ich an meinem Gremium habe“. Schließlich kenne man sich seit Ewigkeiten und sei ein eingespieltes Team.

Und als hätte Steffen Maurer nicht schon genug Arbeit, schreibt er auch noch die Büttenreden für alle Redner des Abend selbst. In Reimform wohlgemerkt. „Damit fange ich entsprechend früh an“, erzählt der zweifache Familienvater. Manchmal gehe zwar wochenlang gar nichts, dann aber sprudelt die Kreativität nur so aus ihm heraus: „Auf einmal kommt und kommt und kommt es.“ Seine Beiträge werden gut angenommen, meint er, „zumindest hat sich noch keiner beschwert“.

Am Tag der Sitzung versucht der Erbacher alles auszublenden. „Ich schalte dann das Handy aus, weil man sowieso nichts mehr korrigieren kann.“ Aufgeregt sei er, räumt er ein. „Schließlich erwarten die Leute etwas. Und auch wir haben den Anspruch an uns selbst, die Gäste bestmöglich zu amüsieren“, sagt Maurer im Hinblick auf den Bunten Abend am 3. Februar. Bis dahin, davon kann man ausgehen, wird der Perfektionist auch das Motto verinnerlicht haben.

Quelle: Echo Online 31.01.2018